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APV-RESOLA

Solaranlagen über Landwirtschafts-Flächen:
APV-RESOLA erforscht eine ertragreiche Doppelnutzung von Land.

Das Team der Innovationsgruppe APV-RESOLA erprobt erstmalig die Doppelnutzung landwirtschaftlicher Flächen. Per Solaranlage wird erneuerbarer Strom erzeugt, darunter wachsen Feldfrüchte. Die doppelte Nutzung gibt dem Projekt seinen Namen: Agrophotovoltaik (APV).

Das Ziel von APV-RESOLA: Die Bedingungen einer Ernte von Energie und Landwirtschaft auf einer Fläche zu erforschen. Das betrifft den Ertrag und die Wirtschaftlichkeit.

Die Forschungsanlage befindet sich in der Gemeinde Herdwangen-Schönach in der Region Bodensee-Oberschwaben (Baden-Württemberg).
Die Region ist eine Wachstumsregion mit hohem Energiebedarf. Sonnenenergie ist die wichtigste erneuerbare Energiequelle.

Trotz Wachstum soll die regionale Kulturlandschaft erhalten bleiben – das schließt die bäuerliche Landwirtschaft ein. Die Doppelnutzung ist eine Möglichkeit zur Ertragssteigerung. Ist sie erfolgreich, kann sie auch in anderen Regionen angewandt werden.

In der Innovationsgruppe APV-RESOLA arbeiten Ingenieure, Pflanzenexperten, Sozialwissenschaftler und Landwirte, Regionalplaner, Stromversorger und Netzbetreiber zusammen.

Prof. Dr. Adolf GoetzbergerErfinder der APV-Technologie

Stephan SchindeleProjektkoordinator, ISE Fraunhofer

Thomas SchmidLandwirt, Hofgemeinschaft Heggelbach

Prof. Petra HögyAgrarwissenschaftlerin, Universität Hohenheim

Wilfried FrankeVerbandsdirektor, Regionalverband Bodensee-Oberschwaben

Edgar GimbelProkurist, BayWa r.e.

Dr. Christine RöschWissenschaftlerin, Karlsruher Institut für TechnologieEdgar Gimbel

Sebastian SladekVorstand der EWS Elektrizitätswerke Schönau eG

„In den 1980er Jahren wurde die Idee der APV-Anlage als Utopie belächelt. Dank kontinuierlicher Forschung und politischer Zielsetzung kann nun aus der Idee eine Innovation werden.“

„Um technische Innovationen wie die Agrophotovoltaik zu verbreiten, reicht es nicht nur auf die Wirtschaftlichkeit von solchen Anlagen zu schauen. Wir müssen ökologische Nebenwirkungen ebenso berücksichtigen wie baurechtliche Fragen und den landschaftsästhetischen Eingriff.“

„Das Projekt ermöglicht, das innovative Energiekonzept des Hofes weiterzuentwickeln und entsprechend der Demeter-Idee den Betrieb als Ganzes zu betrachten. Der Austausch mit den Wissenschaftlern und Unternehmen macht Spaß und ist hilfreich zugleich.“

„Agrophotovoltaik ermöglicht den Landwirten zukünftig Ackerkulturen anzubauen wie Salat, Bohnen, Erbsen, Kartoffeln, Sellerie, Kleegras aber auch manche Getreidesorten, denen der Schattenwurf wenig ausmacht. Das Projekt bietet die Chance, das wissenschaftlich zu belegen.“

„Ressourceneffiziente Landnutzung, Verringerung von Landnutzungskonflikten, akzeptierte Landnutzung, Energiewende voranbringen – durch das Projekt können viele raumplanerische Zielsetzungen verfolgt werden. Wir arbeiten gemeinsam an genehmigungsrechtlichen Regelungen, um die Idee marktfähig zu machen.“

„Auch nach 25 erfolgreichen Jahren in der Solarbranche leisten wir bei diesem Forschungsprojekt echte Pionierarbeit. Nicht nur die Entwicklung und das Design der APV-Anlage stellte uns vor eine spannende Herausforderung, auch aus der Betriebsführung und Instandhaltung der Konstruktion können wir lernen.“

„Durch die Pilotanlage in der Region kommen wir direkt mit Bürgern ins Gespräch über APV. Hieraus gewinnen wir wichtige Erkenntnisse für die weitere APV-Technologieentwicklung und eine nachhaltige Einführung der Technologie.“

„Agrophotovoltaik ist auch für die Stromversorger ein hochinteressantes Projekt. Bislang stehen wir vor dem Problem, dass für die Energiewende unverzichtbare Solaranlagen der Landwirtschaft wertvolle Fläche entziehen. Stattdessen Agrarerzeugnisse von Übersee zu importieren, kann keine Lösung sein. Nun können wir beides auf einer Fläche ernten: sauberen Strom und Nahrungsmittel.“



Das Vorhaben von APV-RESOLA, erneuerbare Energie und Ackerfrüchte auf einer Fläche zu produzieren, ist in Deutschland bisher einzigartig. Die entsprechende Forschungsanlage wurde im Sommer 2016 auf dem Land der Hofgemeinschaft Heggelbach errichtet.

Das Forschungsfeld ist insgesamt rund 2,5 Hektar groß. Die Fläche unter der Solaranlage beträgt etwa 3.000 m². Ein Versuchsfeld ohne Solaranlage dient dem Vergleich, wie die Pflanzen mit APV-Dach und ohne gedeihen.

Seit Oktober 2016 liefert die Forschungsanlage erneuerbare Energie. Sie hat im ersten Jahr Strom produziert, mit dem 62 Haushalte versorgt werden könnten. Derzeit wird der Strom von der Hofgemeinschaft genutzt, der Überschuss von 60 Prozent in das Energienetz eingespeist. Langfristig möchte die Hofgemeinschaft ihren Betrieb komplett aus der eigenen Sonnenenergie versorgen.

So ertragreich wie die Energie-Ernte verspricht auch die Pflanzen-Ernte zu werden. Da die Solarpanels in sechs Meter Höhe stehen, können Maschinen problemlos darunter fahren und Boden und Pflanzen bewirtschaften.

Im ersten Untersuchungsjahr bauten die Landwirte vier Bodenfrüchte an: Winterweizen, Sellerie, Kleegras und Kartoffeln. Erfolgreiches Ergebnis nach der ersten Ernte: Die Erträge sind nahezu genauso hoch wie auf der Vergleichsfläche. Sie liegen zwischen 80 und 98 Prozent.

Die Innovationsgruppe diskutiert mit Bürgerinnen und Bürgern die Erwartungen und Befürchtungen bezüglich APV. Dazu fand 2015 eine erste Bürgerwerkstatt statt. Die Technologie wird überwiegend positiv gesehen, auch die Bürgerbeteiligung am Forschungsprozess. Die Anregungen der Bürger, u.a.: Für die Technologie Standards zu entwickeln, die Qualität und Quantität von APV-Anlagen definieren, beispielsweise, dass sie sich in das Landschaftsbild integrieren.

Laut ersten Forschungsergebnissen kann die Agrophotovoltaik-Technologie landwirtschaftlichen Betrieben zusätzliche Einnahmen bringen, u.a. durch Erträge aus der Stromerzeugung. Für die Forschungsanlage in Heggelbach wird dafür ein Betreibermodell entwickelt, das zu erwartende Einnahmen organisiert und die gesamte Anlage auf eine langfristig tragfähige Basis stellt.

Das Team des Verbundprojektes erforscht parallel zur doppelten Ernte, wie die Innovation in bestehende Rechtsrahmen und Verordnungen integriert werden kann. Damit soll einer breiten Anwendung der Weg geebnet werden.

Resonanz und Wirkung:
Das Forschungsprojekt in der Öffentlichkeit.

Berichte über APV-RESOLA

Ackerbau unter Kollektoren, Tomaten in der Wüste

Süddeutsche Zeitung (02.08.2017)

Milchkühe sollen unterm Solardach weiden

Zum Artikel

Handelsblatt (02.05.2017)

Oben Energie, unten Kartoffeln

Zum Artikel

Erneuerbare Energien - Das Magazin (30.03.2015)

Pflanzen im Schatten der Photovoltaik

Zum Artikel

Bundespresseamt/Kanzleramt (07.04.2015)

Neue Ideen für Energie und Nahrung

Zum Artikel

enorm-Magazin (27.04.2015)

Im Schatten der Sonne

Zum Artikel

Ansprechpartner

Stephan Schindele
Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE
Heidenhofstr. 2
79110 Freiburg

Projektpartner:

  • BayWa r.e. Solar Projects GmbH
  • Elektrizitätswerke Schönau, Vertriebs GmbH
  • Hofgemeinschaft Heggelbach, Herdwangen-Schönach
  • Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
  • Universität Hohenheim


Weiterführende Informationen
http://www.agrophotovoltaik.de/

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