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ginkoo

Aus der Nische in den Markt:
ginkoo entwickelt Kooperationsmodelle für Landschaftsschutz und Ökolandbau.

Das Team des Verbundprojekts ginkoo erforscht, wie sich neue Ideen nachhaltiger Landnutzung in die Praxis umsetzen und dauerhaft etablieren lassen.

Ziel von ginkoo ist ein Innovationsmanagement für diesen Prozess von der Idee bis zur Umsetzung. Es soll branchenübergreifend einsetzbar sein. Zwei Beispiele dienen als Modellprojekte. Sie werden begleitet, analysiert, anschließend das Management-Konzept entwickelt.

Das erste Beispiel, das Vorhaben „ei care“, befasst sich mit sogenannten Zweinutzungshühnern. Diese spezielle Hühnerrasse liefert sowohl Eier als auch Fleisch - anders als herkömmliche, auf den alleinigen Nutzen als Ei- oder Fleischlieferanten reduzierte Hühner. Die Hühner sind preisgekrönt, jetzt sollen sie auch für den größeren Markt etabliert werden.

Das zweite Projekt unterstützt die Pflege der einzigartigen Kulturlandschaft im brandenburgischen Spreewald. Dortige Niedermoorstandorte prägen die kulturhistorische Landschaft. Allerdings sind traditionelle Formen der Bewirtschaftung auf Feuchtwiesen unrentabel geworden. Die Pflege wird vernachlässigt, die Landschaft verliert ihren einzigartigen Charakter.Das könnte Auswirkungen auch auf Tourismus und Wirtschaft haben.

In der Innovationsgruppe ginkoo arbeiten Umwelt-, Sozial- und Innovationsforscher und Landwirte sowie Vertreter einer Beratungsgesellschaft und einer Landesbehörde zusammen.

Dr. Nico HeitepriemDipl. Geoökologe, Biosphärenreservat Spreewald

Lukas WortmannDipl. Geograph, Humboldt Universität zu Berlin, IRI THESys

Ute GünsterAgraringenieurin, Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG

Dr. Bettina KönigProjektleiterin, Humboldt Universität zu Berlin, IRI THESys

Prof. Dr. Benjamin NöltingHochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde

Maria BusseDoktorandin, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung e.V.

Anette KuntoschDipl. Geographin, Humboldt Universität zu Berlin, IRI THESys

"Das Verbundprojekt ginkoo ist vor allem durch die starke Einbindung der Praxispartner vor Ort ein Instrument eines erweiterten 'wissenschaftlichen' Erkenntnisgewinns. Die Forschenden eröffnen mit ihren Methoden in Zusammenarbeit mit vielen regionalen Akteuren konkrete Synergiepotenziale für ein nachhaltiges Landmanagement im Spreewald. "

"ginkoo bietet die besondere Gelegenheit, gemeinsam mit Leuten aus der Praxis und den Kollegen aus der Wissenschaft etwas Innovatives auf die Beine zu stellen. Ich sehe unsere Innovationsgruppe als Versuchsfeld, auf dem wir gemeinsam Innovationen voranbringen, die einen positiven Beitrag zum nachhaltigen Landmanagement leisten."

"ginkoo ist für mich eine Lupe, die Potenzial sichtbar macht. Dadurch sind aber Verharrungskräfte und andere Umsetzungsherausforderungen noch nicht überwunden. "

"Wie aus Nischenideen für komplexe Problemstellungen nachhaltigere Landmanagementlösungen werden können und ob sie auf dem Markt und bei den Verbrauchern Akzeptanz finden, das begleiten wir mit unserer Forschung. So lernen wir die typischen Herausforderungen kennen, die gewissermaßen hinter den eigentlichen Lösungen liegen. "

"Ginkoo ist für mich ein echtes transdisziplinäres Nachhaltigkeitsprojekt. Alle Beteiligten haben ihre Fragen und Ideen eingebracht und gemeinsam haben wir dann das zu bearbeitende Problem definiert und einen Lösungsansatz entwickelt. Damit arbeite ich an drängenden gesellschaftlichen Problemen, zum Beispiel der nicht nachhaltigen 'Tierproduktion"

"Ginkoo lebt durch den regen Austausch zwischen Praxis und Wissenschaft. In ginkoo streben wir an, ein Verständnis für die jeweils andere Perspektive zu entwickeln und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, die beide Seiten und das gemeinsame Ziel voranbringen."

"Bei der Entwicklung von Innovationen für das nachhaltige Landmanagement ist Wissen ein entscheidender Faktor. In ginkoo haben wir daher Wissen aus unterschiedlichen Quellen zusammengetragen und generiert."

Wie lassen sich Zweinutzungshühner aus der Nische auf den Markt bringen? Die Innovationsgruppe analysierte zunächst das Marktpotenzial, u.a. durch repräsentative Verbraucher-Befragungen und das Einbeziehen von Handel und Gastronomie. Daraus wurden neue Bio-Produkte entwickelt – etwa frische halbe Hähnchen oder sogenannte S-Eier.

Dann folgten weitere praktische Schritte der Vermarktung : So wurde beispielsweise die Homepage von "ei care" informativer gestaltet. Umfassend erhalten Kunden nun Informationen über die Erzeuger, die Produktionsbedingungen und die Tiere selbst. In einem Workshop entwarfen Studierende zudem Marketing-Produkte rund um das Zweinutzungshuhn – von Postkartengeschichten bis zu Filmen.



Ein weiteres ganz praktisches Beispiel, das die Marke „ei care“ etablieren hilft: Ein eigenes Verkaufsregal, das sowohl die Eier als auch das Fleisch darbietet – auf einen Blick erkennbar. Das „ei care“-Regal soll im Naturkost- und Einzelhandel eingesetzt werden.

Im zweiten Vorhaben im Spreewald werden Maßnahmen zur Landschaftspflege entwickelt und umgesetzt. Das ginkoo-Team arbeitet mit Landwirten sowie Experten aus Naturschutz und regionaler Verwaltung zusammen. Sie erarbeiten wirtschaftliche Modelle dieser Pflege unter dem Motto: „Schutz durch Nutzung“.

Ginkoo begleitet u.a. die Göritzer Agrar GmbH, die mit dem Schnittgut der Landschaftspflege eine Energieanlage als Pilotprojekt betreibt. Die Erzeugung von Wärme für den landwirtschaftlichen Betrieb ist ein wichtiger erster Schritt für tragfähige Verwertungskonzepte von Produkten der Landschaftspflege.

Wie die Interessen der Anwohner und des Tourismus mit einer nachhaltigen Kulturlandschaftspflege verbunden werden können, wird ebenfalls untersucht. Auch diese Erkenntnisse fließen in das Management-Konzept ein.

Die einzelnen Schritte und Instrumente der beiden Modellvorhaben werden zu einem praktikablen Konzept für Innovationsmanagement vereint. Für den Spreewald entsteht beispielweise ein integriertes Landschaftspflegekonzept, das Landwirtschaft, Naturschutz und Tourismus miteinander verbindet.



Wesentlicher Bestandteil des ginkoo-Innovationsmanagements sind auch Verfahren, wie sich Kooperationen zwischen den unterschiedlichen Beteiligten – landwirtschaftlichen Erzeugern und Handel; Landwirten und Naturschützern beispielsweise – initiieren und dauerhaft etablieren lassen.

Resonanz und Wirkung:
Das Forschungsprojekt in der Öffentlichkeit.

Berliner Zeitung (27.03.2015)

Hühnerherden auf Wanderweiden

Zur PDF

Lausitzer Rundschau (01.06.2017)

Spreewälder erhalten ihre Natur

Zum Artikel

Projektleiterin Bettina König: "Wissenschaft ein Stück neu denken"

Ansprechpartner

Dr. Bettina König
Humboldt Universität zu Berlin
FG Ökonomik der Gärtnerischen Produktion am IRI THESys
Friedrichstraße 191/193
10117 Berlin

Projektpartner:

  • UNESCO Biosphärenreservat Spreewald
  • Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG
  • Technische Universität Berlin, Zentrum für Technik und Gesellschaft
  • Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.
  • agrathaer GmbH
  • Humboldt Universität zu Berlin, IRI THESys


Weiterführende Informationen
http://www.ginkoo-projekt.de/

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